Du, Ich und Der Fall
Mein jetziges Aussehen ist ja wirklich nicht mehr danach. Ach! Von einem bestimmten Alter an ist jeder Mensch für sein Gesicht verantwortlich. Das meine… Aber das ist ja gleichgültig! Die Tatsache bleibt bestehen. Man fand, ich habe Charme, und ich nützte diesen Umstand aus. Indessen war gar keine Berechnung dabei; ich war aufrichtig, oder doch beinahe. […] Natürlich ist wahre Liebe eine Seltenheit, die kaum zwei- oder dreimal in einem Jahrhundert vorkommen mag. Alles andere ist Eitelkeit oder Langeweile.
- Cindy Sherman “Untitled #229″, 1994, 204 x 300 cm
- Jacqueline Münch, 2010
- Maria Lassnig “Du oder Ich”, 2005, Öl auf Leinwand, 203 x 155 cm
Ich jedenfalls war keine Portugiesische Nonne. Mein Herz ist beileibe nicht fühllos, im Gegenteil, es überbordet vor Rührseligkeit […] Nur sind meine Herzensregungen immer auf mich selbst gerichtet, und meine Rührung betrifft meine eigene Person. Es stimmt übrigens nicht, dass ich nie geliebt habe. […] die Sinnlichkeit, und nur sie allein, beherrschte mein Liebesleben. Ich suchte einzig nach Objekten der Lust und der Eroberung. […] Ich […] verdankte diesem Umstand gar manche Befriedigung, ohne heute sagen zu können, worin sie bestand, ob im Vergnügen oder im Prestige.
Albert Camus „Der Fall“ (1956)


